Praxis & Medizin

Mikrobiom-Tests unter der Lupe

Käufliche Mikrobiom-Heimtests haben eine geringe Aussagekraft.

Forschende der US-Bundesbehörde National Institute of Standards and Technology unterzogen verschiedene Testkits einer eingehenden Analyse.
Dazu verwendeten sie ein nach einem standardisierten Verfahren aus mehreren Stuhlproben eines Spenders gepooltes, homogenisiertes Stuhlpräparat. An diesem testete das Team 21 Mikrobiomtests von 7 unterschiedlichen Anbietern. Die Einsendungen in die Testlabors erfolgten verblindet, die Anbieter gingen also davon aus, Einsendungen ihrer üblichen Kunden erhalten zu haben.

Um verschiedene Einflussfaktoren zu berücksichtigen unterzogen die Forschenden das Mikrobiom der standardisierten Probe auch eigenen Genomanalysen ( 16S- und Whole-Metagenome-Shotgun-Sequenzierung), und verglichen zudem die Ergebnisse mit den Proben 7 weiterer Spenderinnen und Spendern.

Die Ergebnisse der käuflichen Tests variierten erheblich, und zwar nicht nur zwischen den Anbietern, sondern auch zwischen verschiedenen Tests ein- und desselben Anbieters.Das betraf sowohl die ermittelten Bakterien-Profile als auch die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen. Die im untersuchten Mikrobiom als dominant identifizierten Bakterien-Spezies variierten ebenfalls stark. Zu den Bakterien mit der stärksten Varianz zählte auch die klinisch relevante Gattung Clostridium. Als Referenz diente die im American Gut Project ermitttelte Clostridiumhäufigkeit von 2,5% als Referenzwert.
Ein Anbieter fand in der gepoolten Stuhlprobe ein auf das 5-fach erhöhtes Clostridium-Vorkommen, 3 andere Firmen kamen währenddessen in einer oder mehreren Testungen zu einem negativen Ergebnis.

Laut Prof. Dr. med. Gregor Gorkiewitz, Mikrobiomforscher an der Medizinischen Universität Graz, zeigt die Studie eindrucksvoll die Unzuverlässigkeit der kommerziellen Mikrobiomtests. Bei einzelnen Anbietern waren die Abweichungen der eigenen Analyse größer als die Varianz der Ergebnisse zwischen verschiedenen Firmen.Da es keine genaue Definition eines allgemeingültig gesunden Mikrobioms gibt, gebe es auch keine medizinische Indikation für diese Mikrobiomtests als Privatperson.

Fazit: Frei verkäufliche Mikrobiomtests sind unzuverlässig und ohne relevante Aussagekraft.

Quelle: https://www.nature.com/articles/s42003-025-09301-3

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Dr. med. Andreas Asch, Ihr Hausarzt in Stuttgart
Facharzt für Allgemeinmedizin