Praxis & Medizin

Bluthochdruck bei Klinikaufnahme immer behandeln?

Sinnvoller Umgang mit erhöht gemessenem Blutdruck bei stationärer Aufnahme

In einer retrospektiven Studie zu mehr als 66 000 Klinikpatienten ab 65 Jahren wurde untersucht, welche Auswirkung eine sofort eingeleitete blutdrucksenkende Behandlung bei Blutdruckwerten über 140/90 - gemessen in den ersten 48 Stunden der Klinikaufnahme - hat. Die frisch aufgenommenen Patienten hatten keine Diagnosen aus dem Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die sogenannten primären Studienendpunkte waren Tod im Krankenhaus, Verlegung auf Intensivstation, Schlaganfall, akuter Nierenschaden sowie Anstieg von Troponin (Eiweiße die eine Herzmuskelschädigung anzeigen können).

Bei den Patienten, bei denen eine sofortige blutdrucksenkende Therapie eingeleitet wurde trat ein Ereignis bei 8,7 % auf, bei den unbehandelten bei 6,9%. Wenn also 56 frisch aufgenommene Patienten wegen erhöhten Blutdrucks sofort medikamentös behandelt werden erleidet ein Patient mehr Komplikationen im Vergleich zu den unbehandelten (Number needed to harm = 56).
Das bedeutet ein signifikant erhöhtes Risiko im Falle der medikamentösen Blutdruckbehandlung.
Bei Blutdruckwerten ab 180 mmHG systolisch (oberer Wert) bestand hinsichtlich der Endpunkte kein Unterschied zwischen behandelten und unbehandelten Patienten.

Fazit: Asymptomatische Blutdruckanstiege bei neu aufgenommenen Klinikpatienten sollten zunächst kontrolliert und nicht gleich medikamentös behandelt werden.

Quelle: https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2805021

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Dr. med. Andreas Asch, Ihr Hausarzt in Stuttgart
Facharzt für Allgemeinmedizin